Die Tätigkeit des Vereins soll den Meinungsaustausch über wirtschaftliche Probleme zwischen Vertretern der Wirtschaft, Kammern, Verbänden, Parlamenten, Hochschulen und Bildungseinrichtungen sowie interessierten gesellschaftlichen Gruppen fördern, insbesondere durch die Durchführung von Foren, Vorträgen, Seminaren und Arbeitskreisen über wirtschaftspolitische Fragen sowie die Veröffentlichung und Verbreitung von Arbeitsergebnissen dieser Veranstaltungen. Der wissenschaftliche Diskurs der Sozialen Marktwirtschaft soll Lösungsansätze für neue gesellschaftliche Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik erarbeiten und der interessierten Öffentlichkeit vermittelt werden.
Termine
Nachwachsende Rohstoffe als Antwort auf eine sich rasant ändernde Welt
Präsenzveranstaltung
Donnerstag, 09. Juli 2026 17:00-19:00 Uhr
ComCenter Brühl, Mainzerhofstraße 12, 99084 Erfurt
mit
• Prof. Dr. Andreas Goldthau ist Direktor der Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt, und Senior Advisor für die Geopolitik der Energie- und Industrietransition am Helmholtz-Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit in Potsdam. Seine Forschungsgebiete sind Energiesicherheit und die Internationale Politische Ökonomie des Sauberen Übergangs.
• Prof. Erik Findeisen
Fachhochschule Erfurt Professur für Forstliche Arbeitslehre, Forsttechnik und Forstnutzung
Leitung des Forschungsbereiches Holzbau und Nachwachsende Rohstoffe im Institut für Angewandte Bauforschung Weimar
Am Abend des 09. Juli hatte das Wirtschaftsforum der Sozialdemokratie ins ComCenter am Brühl nach Erfurt geladen. Trotz der einsetzenden Urlaubszeit waren Interessierte und Fachleuchte zahlreich gekommen.
Die aktuelle Weltlage stellt die Frage der Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit von Rohstoffen und Produkten auf eine neue Weise. Nicht allein zum Klima- und Umweltschutz, sondern stärker im Sinne Wirtschaftlichkeit und sicherer Lieferketten. Gedanken sich auf regionale Lieferketten und traditionelle Stärken zu besinnen sind nicht neu, aber aktueller denn je. „Holz-21-regio“ ist ein interdisziplinäres Bündnis, das sich der Förderung von Innovationen im Bereich Wald und Holz in der Thüringer Waldregion widmet. Sein Ziel ist es, die Region zu einer Modellregion für nachhaltige und resiliente Wertschöpfungsketten auf Basis des heimischen Rohstoffs Holz zu entwickeln. Vor circa 100 Jahren begann die Substitution von Holz durch Kunststoffe, ein Prozess der sich durch die aktuellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen, zu mindestens teilweise umkehren könnte.
Wer konnte uns dies besser ins aktuelle Weltgeschehen einbinden als Prof. Dr. Andreas Goldthau von der Uni in Erfurt, seine Forschungsgebiete sind Energiesicherheit und die Internationale Politische Ökonomie des Sauberen Übergangs. Er stellt nicht nur die Notwendigkeit eines klaren Konzepts der Primärenergieträgerwechsels, sondern auch der weltweiten Risiken, in den Mittelpunkt seines Vortrages.
Prof. Erik Findeisen, FH Erfurt und Leiter des Forschungsbereiches Holzbau und Nachwachsende Rohstoffe im Institut für Angewandte Bauforschung Weimar, richtete die Aufmerksamkeit auf einen betroffenen Bereich, die Bauwirtschaft. Sie verursacht aktuell einen erheblichen Teil des Primärenergieträgerverbrauchs und kann dies nach seiner Meinung zukünftig ändern. Ein Ansatz ist der verstärkte Einsatz von nachwachsenden einheimischen Rohstoffen in Form von Holz. Sein Institut wird dazu konkrete Ansätze, abseits vom exotischen Einfamilienhaus, hin zur Großwohnsiedlung liefern. Die Aussichten sind günstigere, energieärmere und langlebigere Gebäude zu errichten. Dabei soll auch Fachwissen über den Holzeinsatz aus vergangenen Tagen eine Rolle spielen.
27032025 – Beim Wirtschaftsforum der Sozialdemokratie sind im Comcenter im Bruehl in Erfurt rund zwei Dutzend Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verbaenden zusammengekommen. Thema war der Abbau von Buerokratie. Ausserdem war Stefan Zahradnik vom Thueringer Normenkontrollrat zugegen. Foto: Paul-Philipp Braun
Weniger Paragrafen, mehr Praxis? Bürokratieabbau – konkret gedacht
Beim Wirtschaftsforum „Bürokratieabbau – konkret“ im Comcenter Brühl in Erfurt zeigten Eckhard Hassebrock und Stefan Zahradnik, wie Bürokratie Wirtschaft und Verwaltung im Alltag belastet. Zwischen Regelflut, Haftungsdruck und Reformansätzen wurde deutlich, wo Bürokratieabbau ansetzen muss.
Was bedeutet Bürokratie – und wie belastet sie Menschen, die Gesellschaft und die Unternehmen? Für viele Menschen und Unternehmen ist Bürokratie unzweifelhaft mit Papier- und Aktenbergen verbunden, so führte Eckhard Hassebrock in seinen Vortrag beim Wirtschaftsforum „Bürokratieabbau – konkret“ ein. 1963 in Nordrhein-Westfalen geboren, führte ihn sein Berufsweg über verschiedene Banken in Hessen zur Thüringer Aufbaubank (TAB), wo er inzwischen dem Vorstand angehört.
In dieser Funktion habe er regelmäßig mit Bürokratie zu tun – für das Unternehmen selbst, aber auch für die Antragstellerinnen und Antragsteller, die bei der TAB vorstellig werden. Inwiefern sich bürokratische Prozesse dabei mit einer eigenen Liebe zum Detail ausschließen, davon konnte Hassebrock berichten. Er gewährte Einblicke in die Abläufe im Finanzsektor und nannte auch branchenübergreifende Beispiele. So erklärte er etwa, dass die Datenschutzgrundverordnung und das Geldwäschegesetz sich aufgrund gegensätzlicher Anforderungen teils gegenseitig behindern. Auch verwies er darauf, dass Beauftragte in Unternehmen persönlich haften und dadurch stark unter Druck stehen – und dass die Zahl der Einzelnormen in Deutschland seit 2010 um mehr als 20 % gestiegen ist.
All dies führe, so Hassebrock, zu einer enormen Zunahme an Komplexität und zu wachsender Erschöpfung – bei Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie bei Unternehmen. Er forderte daher eine „Reduzierung oder Hierarchisierung der politischen Ziele“ und eine Abnahme der Einzelfallgerechtigkeit. Was er allerdings entkräftete, war die eingangs erwähnte Annahme vom Zusammenhang zwischen Bürokratie und Papier – nicht alle Regularien bräuchten Ordner, um erfüllt zu werden. Umgesetzt werden müssen sie trotzdem.
Unterstützung für diesen Vortrag kam vom zweiten Redner des Abends: Stefan Zahradnik, Professor für Public Management an der Hochschule Nordhausen und zugleich Vorsitzender des Thüringer Normenkontrollrats (NKR). Das 2022 ins Leben gerufene Gremium prüft neue Gesetzes- und Verordnungsentwürfe darauf, ob sie verständlich, vollzugsfähig und möglichst bürokratiearm sind. In der kurzen Vorstellung der Gremienarbeit berichtete Zahradnik, dass der NKR im Freistaat im Schnitt pro Woche einen Rechtstext prüft. Darüber hinaus setzt das Gremium sogenannte Lebenssachverhaltsprüfungen um, bei denen Einzelfälle von Verwaltungsakten sowie die Praxisnähe von Rechtsvorschriften untersucht werden.
Mit ihrer gemeinsamen Expertise aus TAB und NKR waren Hassebrock und Zahradnik im Anschluss gefragte Gesprächspartner für die rund zwei Dutzend anwesenden Vertreter aus Politik, Verbänden und Unternehmen, die über ihre eigenen Erfahrungen mit Bürokratie und deren Abbau sprachen. So führte etwa der Nordhäuser SPD-Landrat Matthias Jendricke die Belastung der Mitarbeitenden in den Jugendämtern an, die unter sich teils widersprechenden Vorschriften zu arbeiten hätten. Christian Kleinjung, Vorstandsvorsitzender der Gerstunger AE-Group, sprach wiederum von hohen Belastungen durch Energiepreise – aber auch durch zu detaillierte Vorschriften, die wirtschaftlichem Erfolg oft im Weg stünden.
Meiningen bietet aufgrund ihrer identitätsstiftenden Vergangenheit als Residenz- und Theaterstadt eine reiche kulturelle Landschaft, die der Region insgesamt nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft geben wird. Dabei strahlt die Stadt in die Region hinein und ist gleichzeitig Beispiel dafür, wie ein positives Heimatgefühl erzeugt werden kann.
Besonders hervorzuheben ist hier das Staatstheater Meiningen. Das kleine, aber feine Vier-Sparten-Theater mit Musiktheater, Konzert, Schauspiel und Puppentheater genießt in der Region und darüber hinaus einen ausgezeichneten Ruf.
Vor diesem Hintergrund fand am 21. Mai im traditionsreichen Hotel „Sächsischer Hof“ in Meiningen eine Podiumsdiskussion statt. Unter dem Titel „Heimat & Kultur – nicht nur weiche Standortfaktoren“ diskutierten Protagonisten und Politiker mit anwesenden Interessenten. Neben Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., Jens Neundorff von Enzberg,
Intendant des Staatstheaters Meiningen, und Dr. Philipp Adlung, Direktor der Meininger Museen, konnte die Landtagsabgeordnete Janine Merz und Carsten Feller, Staatssekretär im Thüringer Ministerium Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, auf dem Podium begrüßt werden.
Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Meiningen, Fabian Giesder, gab Dr. Wolfgang Thierse, der Hauptgast des Abends, den Impuls zum Thema. Nicht nur sein Amt als Vertreter der höchsten deutschen Legislative, sondern er als einer der herausragenden Kulturpolitiker Deutschlands und letztlich auch die Verbundenheit mit seiner Heimat Südthüringen hatte den Saal mit aufmerksamen Zuhörern gefüllt. Heimat, zunächst von ihm grundsätzlich, aber auch persönlich reflektiert, wurde schnell aktuell, weil dieses Gefühl erlebbar, aber auch erwerbbar ist. Sowohl der hier Geborene als auch der Zugezogene kann Heimat fühlen. Heimat hat dabei viele Aspekte, auf jeden Fall gehören Bildung und Kultur dazu. Man kann erwarten, dass beide Seiten sich für den Anderen interessieren und auf einander eingehen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde sehr konkret darüber gesprochen, , wie Heimat und Regionalentwicklung in Meiningen erlebbar, aber auch gestaltbar sind. Nachdem der Traum von der Eisenbahnwelt und einer einzigartigen Tübke-Ausstellung bereits (bald) erlebbar ist, schlummern die einmaligen Schätze von 150 Jahren Theaterkulissen noch in den Depots. Am Geld muss es nicht scheitern, bekannten sich Merz und Feller – hier kann sich Hartnäckigkeit und die richtige Wahlentscheidung auszahlen. Bereits die Wiederbelebung des Sächsischen Hofs vor einem Jahr durch die Politik zeigt das Verständnis der regionalen Entscheider, dass jeder investierte Euro sich auszahlt. Mit seinem Staatstheater braucht sich die Stadt nicht hinter Erfurt zu verstecken und Selbstbewusstsein stärkt in diesem Zusammenhang auch das Gefühl für Heimat.