31|05|2023

Bei Nachwachsenden Rohstoffen die PS auf die Straße kriegen

Holz als nachwachsender Rohstoff spielt in der Dekarbonisierung des gesamten Wirtschaftskreislaufes eine immer größere Rolle. Auch das Bauen mit Holz erlebt bereits heute ein enormes Wachstum und breite politische Unterstützung. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Bestrebungen, die Nutzung der heimischen Wälder einzuschränken, was insbesondere beim Laubholz zu einer stetigen Abnahme der Holzernte führt.

Dieser Zielkonflikt stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, welche das Wirtschaftsforum der Sozialdemokratie Thüringen e.V. am 30. Mai 2023 in Creuzburg organisiert hatte. Zahlreiche Interessenten aus Wirtschaft und Verwaltung waren dazu in die ortsansässige Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG gekommen. Neben Carsten Feller (Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft) stellten sich Prof. Dipl. Forsting. Erik Findeisen (FH Erfurt), Lutz Liebscher, Babette Pfefferlein und Marcus Malsch (alle MdL Thüringen), Karina Fissmann und Knut John (beide MdL Hessen) sowie Sebastian König (Geschäftsführer des BUND Thüringen) im Podium den Fragen.

„Wir müssen den Klimawandel entschleunigen und aktiv werden. Bisher gibt es hier nur Einzelmaßnahmen mit wenigen Leuten.“ Um hier die Schlagkraft zu erhöhen, schlägt Prof. Erik Findeisen die Gründung einer „Holzagentur“ nach dem Vorbild im Tourismus vor, die alle Akteure einbindet. So könnte an den verschiedenen Interessenkonflikten besser gearbeitet werden. Einerseits möchte Findeisen, dass die Fichte als Nutzholz wieder gestärkt wird, sieht aber gleichzeitig den Trend zum Laubholz. „Der Forst kann als Fachbehörde Maßnahmen vorschlagen – die wirtschaftliche Entscheidung treffen dann aber die staatlichen und privaten Waldbesitzer.“ Zu beachten sei auch der zeitliche Bezug: „Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, werden sich erst in Jahrzehnten auswirken.“ Dazu komme noch der Widerspruch, dass eigentlich mehr Holz gebraucht würde, aber für das Klima die Wälder geschont werden sollen. Hier sei eine intelligente Forstwirtschaft und Verwendung notwendig. Ein guter Ansatz in dieser Richtung sei das Bündnis „Holz-21-regio“, welches die regionale Wirtschaft vernetze, um innovative Lösungsansätze mit hohem Entwicklungspotential auszubilden. Dazu wünscht sich Findeisen „mehr Unterstützung von der Politik und der Wirtschaft“.

Trotz verschiedener vorhandener Konfliktpotentiale zwischen Naturschutz, Wirtschaft und Tourismus sieht Staatssekretär Carsten Feller Thüringen auf einem guten Weg: „Die Branche Wald und Forst gilt in Thüringen neben der Energie- und Metallindustrie als bedeutendster Wirtschaftszweig in Thüringen.“ Durch die vorhandenen 170 Mio. m3 Holz würden ca. 435 Mio. t CO2 gebunden. Der Verbund aus Forst und Holz erziele mit gemeinsam mit anderen Bereichen und 3.500 Beschäftigten eine Wertschöpfung von etwa 1 Mrd. Euro. „Wir haben 2018 das Ziel formuliert, das Bauen mit Holz weiter zu fördern, um so noch mehr CO2 zu binden und gleichzeitig Beton zu reduzieren.“ Leider wurden die industriellen Holzeinschlagmengen seit 2018/19 drastisch reduziert, da durch „Kalamitätsholz“ wie abgestorbener Nadelwald die vorhandenen Kapazitäten stark gebunden seien, so Feller Das betreffe auch die Firma Pollmeier, die viel Buchenholz für den Baubereich verarbeite. Parallel dazu gebe es derzeit einen großen „Run auf Brennholz“. „Thüringen soll Holzbauland Nr. 1 in Deutschland werden“, lautet die Forderung von Feller. Die Ausgangsbasis sei gut: Bereits jetzt würden 25 % aller neuen Wohngebäude überwiegend im Holzbau mit einheimischen Material gebaut. Zur besseren Umsetzung habe man einen 5-Punkte-Plan erstellt, zu dem auch ein Pilotprojekt im Gewerbegebiet Suhl Nord zähle, wo in Zusammenarbeit mit der LEG Thüringen ein „Holzcluster“ entwickeln werden soll.

„Dazu muss aber Holz verfügbar sein. Deshalb werden wir uns gegen weitere Flächenstilllegungen wehren.“ Bereits 25.000 ha sind aus der Bewirtschaftung herausgenommen, was aus Fellers Sicht ausreichend sei. Verbleibende Flächen wolle man nachhaltig für die Forstwirtschaft nutzen. Das Ziel sei, dass wieder kontinuierliche Mengen von Holz zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung stehen. Gleichzeitig müsse daran gearbeitet werden, in der Bevölkerung eine größere Akzeptanz für die Holzwirtschaft zu schaffen. „Die Potentiale für eine innovative Wertschöpfung sind da. Wir müssen jetzt nur noch ,die PS auf die Straße kriegen‘“, waren sich Staatsekretär Feller und auch Prof. Findeisen zum Schluss einig.

Bildunterschriften:
25: Carsten Feller sieht Thüringen auf einem guten Weg.
35: Prof. Erik Findeisen schlägt die Gründung einer „Holzagentur“ vor.
30, 47: Die Podiumsdiskussion fand viel Interesse.
61: Die Referenten, Organisatoren und Gastgeber freuten sich über einen gelungenen Abend.

Text und Fotos: Presseagentur Fakt

Hier ein Artikel aus der Thüringer Allgemeinen vom 31.05.2023